Die fortschreitende Transformation unserer Energielandschaft sowie sich ändernde geopolitische Einflussgrößen haben eine zunehmende Diversifizierung der Bezugsquellen von Erdgasen der Gasfamilie 2 zur Folge. Damit gehen zwangsläufig auch nicht unerhebliche Schwankungen in der Erdgaszusammensetzung in unserem Transportnetz und damit auch in unseren Erdgasspeichern einher. Zugleich gewinnen Untergrundspeicher zunehmend an Bedeutung als Garant für Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Resilienz in Deutschland.
Um diesen Unsicherheiten zu begegnen, werden zurzeit seitens der Europäischen Union Anstrengungen unternommen, mit der Überarbeitung entsprechender Normen neue Grenzwerte für Begleitgase einzuführen:
Die EN 16726 wird dieses Jahr in überarbeiteter Form auch in Deutschland normativ. Die G260 wird sich darauf beziehen. Hier sollen neben anderen Beimischungen u.a. Grenzwerte für Sauerstoff, Schwefelverbindungen und Wasserstoff festgelegt werden.
Um erste Antworten zu der Frage zu erhalten, welchen Einfluss erhöhte Beimischungen von Begleitgasen auf Integrität, Effizienz und Kapazität von Untergrundspeichern haben, hat sich die DGMK bereits frühzeitig mit diesem Thema befasst. In der Folge sind im Rahmen unserer industriellen Gemeinschaftsforschung bereits in den Jahren 2012 bis 2014 fünf relevante Literaturstudien entstanden:
DGMK-Forschungsbericht 752
Einfluss von Wasserstoff auf Untertagegasspeicher
DGMK-Forschungsbericht 753
Einfluss von Sauerstoff als Spurengas auf Untertagegasspeicher und obertägige Anlagen
DGMK-Forschungsbericht 754
Einfluss von Kohlenstoffdioxid auf Untertagegasspeicher
DGMK-Forschungsbericht 755
Einfluss von Schwefelverbindungen und Odoriermittel auf Untertagegasspeicher
DGMK-Forschungsbericht 756
Einfluss von Biogas und Wasserstoff auf die Mikrobiologie in Untertagegasspeichern
Die Berichte zeigen sehr umfassend, dass viele grundlegende Mechanismen, Zusammenhänge und auch kritische Einflussgrößen bezüglich möglicher Beimischungen im Speichergas bereits dokumentiert sind. Dadurch liegt ein Wissensstand vor, auf den gezielt aufgebaut werden kann, der eine wertvolle Grundlage für aktuelle und zukünftige Fragestellungen bildet und der gleichermaßen weitere Forschung anstoßen kann. So ist beispielsweise festzuhalten, dass bei weiteren Anhebungen der Grenzwerte mit Auswirkungen hinsichtlich des technischen Speicherbetriebes zu rechnen ist, unter anderem auch aufgrund der Problematik möglicher Wechselwirkungen zwischen den Begleitstoffen. Hier besteht weiterhin Forschungsbedarf, auch bezüglich standortbezogener Fragestellungen.
Der hier vorliegende Sammelband soll allen Stakeholdern einen guten Einstieg in die Thematik bieten und Denkanstöße für weitere Forschung geben. Dies gilt nicht nur für Speicherbetreiber, sondern auch für die verantwortlichen Akteure, die sich mit der Aktualisierung relevanter Normen auseinandersetzen.
Dr. Jürgen Rückheim
Mitglied des Vorstands der DGMK,
Vorsitzender des Fachbereichs
Geo-Energiesysteme und Untertagetechnologien