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Fachausschuss Umwelt

Die EU-Strategie gegen Bodenversauerung – Konzept der kritischen Belastung

Die Entstehung der sogenannten "neuartigen Waldschäden" führt man zum Teil auf die Einwirkung gewisser Luftschadstoffe wie Schwefel- und Stickoxide zurück, die als saurer Regen auf die Erde niedergehen und zu einer Versauerung des Bodens und damit zu einer Schädigung empfindlicher Ökosysteme wie der Wälder führen können. Die EU-Kommission hat eine Strategie der EU zur Bekämpfung dieser Versauerung entwickelt, die auf dem Konzept der kritischen Belastungen beruht.

Der nachfolgende DGMK-Bericht beschreibt, wie die kritischen Belastungen definiert, wie sie in den einzelnen Ländern ermittelt, von einer zentralen Koordinierungsstelle gesammelt und in einem einheitlichen Raster europaweit dargestellt werden. Ein Vergleich zwischen den so ermittelten kritischen Belastungen und den vom europäischen Umweltüberwachungsprogramm gemessenen Depositionsraten ergibt dann die sogenannten Überschreitungskarten. Mit ihrer Hilfe kann man die Überschreitungen mit bestimmten Emissionsquellen verknüpfen und daraus Szenarien optimierter Emissionsverringerungen ableiten.

Der Bericht setzt sich mit dem Konzept der kritischen Belastungen und insbesondere mit den von der Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen kritisch auseinander. Er erläutert, daß kritische Belastungen keine Grenzwerte, sondern Umweltstandards darstellen, deren Über- bzw. Unterschreitung nicht notwendigerweise Umweltschädigungen bzw. deren Vermeidung zur Folge haben. Er zeigt auch, daß inzwischen Stickoxid (und nicht Schwefeldioxid) den Hauptbeitrag zur Versauerung der Böden liefert und darüber hinaus zur Eutrophierung von Böden und Gewässern sowie zur troposphärischen Ozonbildung führt.

Deshalb sind auch die von der Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen, die sich auf die Reduktion der Schwefeldioxidemissionen - und hier noch dazu aus dem relativ kleinen Beitrag der flüssigen Kraft- und Brennstoffe - konzentrieren, nicht kosteneffizient und spekulativ im Hinblick auf die Ungenauigkeit der vorliegenden Daten und des verwendeten Rechenmodells. Aus diesem Grunde wird vorgeschlagen, keine weiteren Schritte zu unternehmen, die über die bereits beschlossenen Maßnahmen zur Emissionsreduktion hinausgehen, bis die Herleitung der Vorschläge aus der Versauerungsstrategie und ihre Konsequenzen von den Mitgliedstaaten und der betroffenen Industrie vollständig ermittelt und diskutiert worden sind.

Autoren
W.-P. Trautwein
Copyright
1998
Softcover ISBN
3-931850-45-5
Buchreihen ISSN
0937-9762
Seitenzahl
39
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