Deutsche Wissenschaftliche Gesellschaft
für Erdöl, Erdgas und Kohle e.V.


Die Geschichte der DGMK

Deutsche Gesellschaft für Mineralöl-Forschung (DGM)
Die Geschichte der DGMK beginnt mit der DGM. Die DGM wurde am 9. Mai 1933 in Berlin gegründet. In Ihrem Gründungsjahr hatte sie 385 persönliche Mitglieder. Die wissenschaftliche Tätigkeit der Gesellschaft wurde in folgende 12 Abteilungen gegliedert:

Geophysik

Geologie

Tiefbohren, Fördern, Gewinnen

Verarbeitung

Verwendung

Transport, Lagerung, Verteilung

Braunkohle und Derivate

Steinkohle und Derivate

Maschinen- und Apparatebau

Prüfung, Forschung, Nomenklatur

Import, Zoll, Steuern

juristische Fragen

Bis 1940 fand jährlich eine große Tagung mit 800 bis 1.000 Teilnehmern statt. Diese Tagungen wurde gemeinsam mit der Brennstofftechnischen Gesellschaft durchgeführt. Zusätzlich gab es Fachtagungen von einigen Abteilungen, die einen regen wissenschaftlichen Austausch ermöglichten.

In den Abteilungen wurden größtenteils rein wissenschaftlich-technische Probleme behandelt, aber auch Themen der Kriegsvorbereitung wurden aufgegriffen. Die Abteilung Transport, Lagerung, Verteilung befasste sich z.B. schon 1935 mit Fragen des Luftschutzes für Tanklager. Durch die Autarkie-Bestrebungen des Regimes wurden in allen Bereichen technische Fragestellungen aufgeworfen, die in den Abteilungen der DGM behandelt wurden. Das Ziel war die Steigerung der heimischen Erdölförderung und die Erzeugung von Kraftstoff aus Kohle.

Die DGM hat von Anfang an Funktionäre der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands (NSDAP) in ihre Vorstandsarbeit einbezogen. Gottfried Feder wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Die Fachartikel in der von der DGM herausgegebenen Zeitschrift Oel und Kohle wurden von Geleitworten des Vorstandes begleitet, in denen nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet wurde und so Regimetreue demonstriert wurde.

Ab 1934 wurden nach und nach „Gebietsgruppen“ gegründet, die Vortragsveranstaltungen organisierten. 1942 gab es 9 Gebietsgruppen, darunter eine in Wien. Die Tätigkeit der DGM wurde durch den 2. Weltkrieg ab 1943 stark beeinträchtigt und 1945 vollständig eingestellt.

In der DGMK-Geschäftsstelle sind leider keine Unterlagen über die DGM vorhanden. Uns steht nur noch die Zeitschrift Oel und Kohle zur Verfügung.

Die Deutsche Gesellschaft für Mineralölforschung war von Beginn an auf die Unterstützung der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik eingestellt. Durch die Einbeziehung von Parteifunktionären hat sie die Gleichschaltungspolitik der Diktatur unterstützt. Leo Ubbelohde ist jedoch mit seinem Plan für den Aufbau einer deutschen Mineralölindustrie gescheitert. Es ist nicht erkennbar, dass die DGM einen nennenswerten Einfluss gehabt hätte.

Was ist geblieben? Geblieben ist eine umfassende Darstellung des Standes der Technik der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts auf allen Arbeitsgebieten der DGM. Sie wurde in der Zeitschrift Oel und Kohle publiziert. Zahlreiche namhafte Wissenschaftler haben dazu beigetragen.

Geblieben ist die Idee einer wissenschaftlichen Querschnittsgesellschaft, die die interdisziplinäre Zusammenarbeit ihrer Mitglieder fördert. Geblieben ist die Idee, eine wissenschaftliche Gesellschaft in Deutschland zu haben, die Ansprechpartner für entsprechende Gesellschaften im Ausland ist und die in die internationale Zusammenarbeit eingebunden ist. Und geblieben ist die Idee, dem wissenschaftlichen Nachwuchs die Möglichkeit zu geben, sich auf den Veranstaltungen der Gesellschaft zu informieren und weiter zu bilden.

Auf diesen Ideen basiert die Tradition der DGMK.

Deutsche Gesellschaft für Mineralölwissenschaft und Kohlechemie
Auf Anregung der wieder entstehenden deutschen Mineralölindustrie und auf Initiative von Alfred Bentz wurde im Jahre 1947 beschlossen, die 1945 aufgelöste DGM in geeigneter Form wieder aufleben zu lassen. Wegen der starken Beteiligung der Kohle- und Braunkohlenteer-Industrie an der Kraftstoffproduktion während des Krieges und der Ausnutzung geeigneter Teile der Kohlehydrieranlagen für die Mineralölraffination nach dem Kriege wurde beschlossen, auch den chemischen Sektor der Kohleindustrie in die Gesellschaft einzubauen und dies in ihrem Namen „Deutsche Gesellschaft für Mineralölwissenschaft und Kohlechemie“ zum Ausdruck zu bringen. Die Neugründung fand auf der ersten Mitgliederversammlung am 15. Januar 1948 statt. Ende 1948 hatte die DGMK 420 Mitglieder.

Initiatoren der Zusammenfassung der beiden großen Forschungsbereiche Erdöl und Kohlenchemie waren vor allem Ernst Terres (TH Karlsruhe) und Günther Schlicht (DEA).

Auf der Jahrestagung 1948 brachte Ernst Terres zum Ausdruck, dass die Neugründung der Gesellschaft eine Notwendigkeit der Zeit sei, da es Aufgabe der Wissenschaft sein müsse, durch intensive Arbeit zum Wiederaufbau der Wirtschaft beizutragen. Der Erfahrungsaustausch mit den Fachkollegen des Auslandes sollte wieder hergestellt werden.

1958 wurde der Koordinierungsausschuss für Forschungsarbeit gegründet. Im Koordinierungsausschuss wurden die verschiedenen nationalen und internationalen wissenschaftlich-technischen Fragen der Mineralöl- und Kohlenindustrie  im Kreise von Fachleuten objektiv behandelt, und die gefundenen Lösungen wurden nach außen vertreten. Die Forschungstätigkeit der Ausschüsse wurde in der Regel durch die einschlägige Industrie über die DGMK finanziert. Bei der Auflösung des Ausschusses Ende 1969 hatte er 20 Arbeitsausschüsse, in denen ca. 200 Fachleute zusammen arbeiteten.

Die Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften wurde intensiviert. Ab 1961 fanden alle 2 Jahre gemeinsame Tagungen mit der Gesellschaft für Schmierungstechnik, dem VDI, dem VDEh und dem Steinkohlenbergbauverein im Wechsel mit der Jahrestagung statt.

Die DGMK hat 1963 den 6. Welterdölkongress, der in Frankfurt a.M. stattfand, ausgerichtet.

1963 hatte die DGMK 1.028 Mitglieder.

Die 1970er Jahre

Intensivierung der Gemeinschaftsforschung
Im Jahre 1969 wurde der „Forschungsausschuss“ als zentrales Aufsichts- und Entscheidungsgremium für die Gesamt-DGMK eingerichtet. Die zunehmenden Aufgaben in der Forschung im Rahmen der DGMK erforderten ein effizientes Steuerungsgremium und hauptamtliche Unterstützung. Nachdem K.E. Klinksiek die Abteilung „Wissenschaft und Technik“ aufgebaut hatte, wurden 1973 B.-R. Altmann für die Koordination der Downstream-Projekte und R.B. Behrmann für die Koordination der Upstream-Projekte als weitere hauptamtliche Mitarbeiter eingestellt.

Fachgruppen-Tagungen
Neben der Jahrestagung wurde das Konzept der Fachgruppen-Tagung entwickelt, das bald sehr erfolgreich war. Es wurden daher anstelle der Jahrestagungen ab 1970 die „Haupttagungen“ der Gesamt-DGMK im zweijährlichem Rhythmus veranstaltet und in den ungeraden Jahren Fachgruppen-Tagungen ausgerichtet. Heute gibt es nur noch die Fachbereichstagungen.

Alle vier Jahre gab es eine Gemeinschaftstagung (von 1966 bis 2000) mit der Österreichischen Gesellschaft für Erdölwissenschaften (ÖGEW).

Zusammenlegung des Upstream-Bereichs mit dem VTT
Die Fachgruppe Aufsuchung und Gewinnung wurde mit dem Verein für Tiefbohrtechnik (VTT) zur DVGI (Deutsche Vereinigung der Geologen und Erdölingenieure) zusammengeschlossen. Ausgehend von einer DGMK-VTT-Gemeinschaftstagung, die 1971 stattfand, wurde die „Frühjahrstagung“ entwickelt.

Mitglieder-Entwicklung
Die Anzahl der Mitglieder der DGMK war in den 70er Jahren stabil. Sie bewegte sich zwischen 1.041 in 1970 und 1.117 in 1979.

Die Neuausrichtung der DGMK in den 1980er Jahren
1984 wurde die Neuausrichtung der DGMK beschlossen. Anstelle des Forschungsausschusses und der Fachgruppen wurden drei weitgehend selbständige Fachbereiche gegründet:

  • Fachbereich Aufsuchung und Gewinnung,
  • Fachbereich Verarbeitung und Anwendung,
  • Fachbereich Chemische Kohlenveredlung.

Auf der Mitgliederversammlung am 23.10.1984 in Innsbruck wurde vom Vorstand auch der Vorschlag unterbreitet, den Namen der Gesellschaft in Deutsche Gesellschaft für Erdöl- und Kohlenwissenschaften e.V. (DGEK) zu ändern. Ein Antrag des Studenten Stefan E. auf geheime Abstimmung brachte die Planung des Vorstandes durcheinander. Der Vorschlag wurde in geheimer Abstimmung abgelehnt. Die Mitgliederversammlung wurde unterbrochen und am nächsten Tag fortgesetzt. Auf Antrag des heutigen Ehrenvorsitzenden, Dr. von Ilsemann, wurde eine Abstimmung über die Satzungsänderung ohne Namensänderung durchgeführt. In geheimer Abstimmung wurde dann die Satzungsänderung mit hoher Mehrheit beschlossen. Die Namensänderung wurde vertagt, weil man sich nicht einigen konnte.

1985 wurde zunächst die „partnerschaftliche Vereinigung“ von DGMK und DVGI vollzogen. Als Organ wurde die Zeitschrift Eröl-Erdgas (gelbe Zeitschrift) gewählt. Sie bekam noch die „Kohle“ im Titel dazu: Erdöl Erdgas Kohle

1986 war es dann soweit. Nach zwei Jahren der emotionsgeladenen Diskussion wurde ein Konsens bei der Namensfindung erzielt. Auf der Mitgliederversammlung am 9. Oktober 1986 in Hamburg wurde der Name der Gesellschaft in

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geändert. Nun hatte man die drei wichtigen fossilen Rohstoffe in den Namen der Gesellschaft aufgenommen und auch zum Ausdruck gebracht, dass Wissenschaft und Technik im Vordergrund stehen. Mit diesem Namen konnten sich alle Fachbereiche identifizieren – auch der 1991 hinzu gekommene Fachbereich Petrochemie.